Stadelboden IV - Getreidereinigungsgeräte

Nutzung:

Während kleinere Getreidereinigungsgeräte wie Getreidesiebe dort gezeigt werden, wo man sie im Bauernhof ursprünglich auch aufbewahrte, sind größere Geräte auf dem Stadelboden aufgestellt. Insbesondere sind hier mehrere sog. Windmühlen zu sehen. Diese Geräte, die als erste "Maschinen" im bäuerlichen Betrieb eingeführt wurden, dienten zum Reinigen ("Putzen") des gedroschenen Getreides.

Beschreibung:

Die Windmühle arbeitet nach folgendem Prinzip: Mit einer Handkurbel, die meist mit einer Zahnradübersetzung zur Erhöhung der Drehgeschwindigkeit versehen ist, wird ein Flügelradbewegt, das einen Luftstromerzeugt; dieser "Wind" erfasst das durch die Trichteröffnung oben eingeschüttete Getreide und bläst die leichteren Beimengungen wie Spreu, Staub, Unkrautsamen und Strohreste weg, während die schweren Getreidekörner nach unten fallen. Durch eingebaute Rüttelsiebe (sog. Siebwindfege oder Putzmühle) konnte die Wirkung des Geräts verbessert werden. Eingeführt in Mitteleuropa wurde die Windmühle- wohl nach chinesischem Vorbild durch Vermittlung der Holländer - etwa ab Mitte des 1 7. Jahrhunderts, und um 1 900 war sie auf fast allen Bauernhöfen vorhanden. Danach wurde sie allmählich von Dreschmaschinen mit eingebauter Reinigung verdrängt, teilweise aber auch noch zum Reinigen von Kleesamen, Rübensamen und vor allem von Getreidesaatgut verwendet. Zur Reinigung und insbesondere zur Sortierung des Saatgetreides gab es jedoch spezielle Maschinen, die sog. Trieure, von denen ein Exemplar hier zu sehen ist. Der Trieur war eine französische Entwicklung und verbreitete sich um 1860/70 auch in Deutschland. Durch die Trieure erfolgte eine Reinigung und Sortierung nach der Form, indem Getreide in eine Trommel geschüttet wurde, deren innere Fläche mit engen Zellen besetzt war; durch Drehung der Trommel gelangten Unkrautsamen und zerbrochene und verkümmerte Körner in die Zellen, während die normalen Körner darüber hinwegglitten. Dadurch wurden Unkrautsamen und Halbkörner vom Saatgut getrennt und über eine Rinne und eine Schnecke entfernt.