Stadelboden III - Flachsbearbeitungsgeräte

Nutzung:

Früher war der Flachsanbau in unserer Gegend weit verbreitet. Auf dem Kipferlerhof ist er z. B. urkundlich erstmals durch den Obergabevertrag von 1781 belegt, in dem als Vorrat drei Pfund Flachs erwähnt werden, und noch 1891 nachgewiesen, da sich die Austrägler im damaligen Übergabevertrag ausbedingen, dass für sie jährlich zwanzig Liter Flachssamen ausgesät werden. Durch den Wegfall der Baumwollimporte erhielt der Flachsanbau im 1. und 2. Weltkrieg wieder eine gewisse Bedeutung; so baute man z. B. im benachbarten Buxheim im 2. Weltkrieg und in Walting noch um 1950 Flachs an, der dann zur Flachsrösterei nach Berching gebracht wurde.

Beschreibung:

Die Bearbeitung des Flachses nach der Ernte war sehr aufwendig: Von den dazu erforderlichen Geräten werden hier u. a. eine Flachsriffel und eine Flachsbreche gezeigt, die beide vom Kipferlerhof stammen, sowie eine Flachsbreche und eine Flachshechel aus Buxheim. Die Flachsriffel, ein eiserner Kamm mit spitzen Zinken, der meist an einem Balken in der Scheune angebracht war, diente nach der Ernte dazu, die Samenkapsel mit den Leinsamen von der übrigen Pflanze zu trennen: Dazu wurde der Flachs büschelweise durch die Riffel gezogen, um die Kapseln abzustreiten. Die Flachsbreche kam zum Einsatz, nachdem die Flachsstengel längere Zeit auf einer Wiese und meist zusätzlich in einer Darre oder auch im Backofen getrocknet worden waren, Dabei zog eine Hand das Halmbündel über das Untergestell, während die andere Hand wiederholt das bewegliche Oberteil der Flachsbreche niedersausen ließ, bis die harten, holzigen Stengelteile zerschlagen waren. Anschließend legte man die gebrochenen Flachssträhnen über den Schwingstock und streifte mit einem stumpfen Holzmesser (Schwingscheit) die verbliebenen Schalenreste ab; manchmal wurden stattdessen die gebrochenen Flachsbündel auch durch eine einfache Flachsbreche gezogen. Schließlich zog man den Flachs durch die hohen, spitzen Nägel der Hechel, bis er sauber ausgekämmt war. Erst jetzt konnte der Flachs zu Garn gesponnen werden, aus dem dann Leinen gewebt wurde.