Vordere Kammer

Nutzung:

Der zum Hof hin gelegene Raum diente vor allem als Schlafkammer. Denn an Schlafplätzen bestand meist Bedarf, da häufig im Haus drei Generationen zusammenlebten: die Großeltern als Austrägler, das Bauernehepaar und die oft nicht geringe Schar Kinder. Hinzu kamen gegebenenfalls auch noch unverheiratete Geschwister. Außerdem musste das Gesinde untergebracht werden; war die Familie zahlreich, hatten von den Dienstboten oft nur die Mägde eine eigene Kammer ("Menscherkammer"), die Knechte mussten ihre Lagerstatt dann auf dem oberen Gang, auf dem Dachboden, im Stall oder gar in einem Verschlag auf dem Heuboden aufschlagen. Je nach den Verhältnissen kann man sich die vordere Kammer daher als Schlafraum für größere Kinder - die kleineren schliefen bei den Eltern - oder als Schlafplatz für Dienstboten oder als Austragskammer (so im Kipferlerhof einige Jahre ab 1891) vorstellen.

Beschreibung:

Der längliche, ca. 17 qm große Raum mit Dielenfußboden wird von zwei Fenstern zum Hof belichtet. Nach der hier vorgefundenen ältesten Farbfassung von insgesamt 10 Farbschichten sind der Sockel in Dunkelgrau mit dunkelblauem Abschlussstrich, die Wände in hellem Blau mit doppeltem dunkelblauem Abschlussstrich bemalt.

Ausstattung:

Der Raum ist mit Möbeln eingerichtet, wie sie üblicherweise in Schlafkammern standen. Von den zwei Betten stammt das hintere unbemalte vom Kipferlerhof selbst; das vordere Bett dagegen, das in der Form dem hinteren sehr ähnelt, jedoch bemalt ist und die Jahreszahl 1851 trägt, stand ursprünglich im Ziegelhof bei Eichstätt. Ebenfalls Leihgaben sind die beiden Stühle und der zweitürige Schrank, der nach der Art der Bemalung im 18. Jahrhundert hergestellt sein dürfte und aus Euerwang kommt. Die übrige Einrichtung, ein Eckschrank und ein Tisch, waren wiederum Inventar des Kipferlerhofes.