Oberer Gang

Nutzung:

In den meisten Häusern der Altmühlalb war das Obergeschoss - als "Boden" bezeichnet - ursprünglich nicht oder nur zum geringen Teil mit abgeschlossenen Räumen ausgebaut. Erst im 19. Jahrhundert wurden einzelne Räume abgetrennt, doch gab es noch 1945 zahlreiche Bauernhäuser in unserem Gebiet, bei denen auf dem "Boden" nur die "schöne Stube" abgeteilt war und erst zur Unterbringung zugewiesener Heimatvertriebener zusätzliche Räume geschaffen wurden. Beim Kipferlerhof allerdings dürfte die Abtrennung von Räumen schon im 19. Jahrhundert erfolgt sein, da die Wände des Ganges bereits zahlreiche Farbschichten aufweisen. Dadurch entstand ein Gang, der von der Stiege aus durch das ganze Obergeschoss führt und über Türen alle Räume erschließt. Wie eine Aussparung in den Deckenbalken vermuten lässt, befand sich im vorderen Teil des oberen Gangs früher auch die Stiege zum Dachboden, während heute der Zugang vom Rossstallboden aus erfolgt. Neben dieser hauptsächlichen Erschließungsfunktion diente der obere Gang aber auch als Stellplatz für Truhen, Schränke oder auch für Knechte- oder Mägdebetten, wenn Bedarf war.

Beschreibung:

Der 11 m lange und ca. 1,8 m breite Gang wird vorne und hinten durch je ein Fenster belichtet. Die Gangwände sind aus Fachwerk gefügt, die Gefache mit Bruchsteinen ausgemauert, mit einem Lehmschlag überzogen und mit Kalkmörtel verputzt. Darauf folgten elf Kalkfarbenanstriche, dann ein zweiter Verputz mit zwei weiteren Farbschichten, wobei erst dieser zweite Verputz das Fachwerk überdeckte. Bei der Renovierung wurde der frühere Zustand mit freiliegendem Fachwerk wiederhergestellt.

Ausstattung:

Im oberen Gang sind eine große Mehltruhe und ein eintüriger Schrank aufgestellt, die beide vom Kipferlerhof stammen. Ergänzt wird die Einrichtung durch eine Dienstbotentruhe.