Hintere Kammer

Nutzung:

Die Kammer im Obergeschoss gleich bei der Stiege diente vor allem als Schlafkammer.

Beschreibung:

Die Wände des ca. 14,5 qm großen Raumes mit zwei Fenstern und Dielenfußboden sind - entsprechend der Urfassung der freigelegten acht Farbschichten - in Hellgrau gehalten, mit einem grauen Sockel und einer Borde in rötlichem Dekor.

Ausstattung:

Diese Schlafkammer im Obergeschoss ist mit bemalten Bauernmöbeln eingerichtet, die in unserer Gegend - nach Anfängen bereits ab 1600 - noch bis etwa 1860/70 üblich waren. Die Entwicklung führte vom Blankholzschrank mit Schablonendekor oder einfachen gemalten Ornamenten des 17. Jahrhunderts über eine dichter und leuchtender werdende Bemalung des 18. Jahrhunderts bis zur Blütezeit zwischen 1780 und 1840. Das Himmelbett, das sich auf dem Speicher des Kipferlerhofes fand, stammt aus dem Jahre 1854; in diesem Jahr heirateten Joseph Albrecht und Maria Anna Schlamp, und das Bett war wohl Bestandteil der Aussteuer der Braut. Die Aussteuer wurde ja vor den Augen der Dorfbewohner auf dem Kammerwagen ins Hochzeitshaus gebracht, und dabei wollte man schöne Möbel vorzeigen. Himmelbetten waren in unserem Gebiet bis um 1900 in Gebrauch, während vor 1700 häufig ein Bett mit "halbem" Himmel erwähnt wird, d. h. der Himmel überspannte nur den oberen Teil des Bettes. Ursprünglicher Zweck des Betthimmels war es, Staub und Schmutz vom Bettzeug abzuhalten, der zwischen den Deckenbrettern hindurchrieseln konnte. Mit zugezogenen Vorhängen schützte das Himmelbett auch besser vor Zugluft, Kälte und neugierigen Blicken, wenn das Zimmer noch mit Kinderbetten belegt war. Der kleinere bemalte Schrank, der ebenfalls zum Inventar des Kipferlerhofes gehörte, ist mit der Jahreszahl 1845 bezeichnet, wahrscheinlich war er jedoch ebenfalls "Kammerwagenmöbel" von 1854, wobei der Schreiner versehentlich statt 54 die Zahl 45 aufmalte. Der große Schrank stammt dagegen aus Zell a. d. Speck und ist mit 1773 datiert. Ein zur Ausstattung des Kipferlerhofes gehörender Betstuhl, ein Stuhl und eine Wiege aus Hofstetten vervollständigen die Einrichtung.